Kim Noble, DJ

 

Ein heißer Sommertag. Eine kühle Brise. Alle schwimmen auf einer Welle, zur Musik. Es ist eine große Gemeinschaft. Die Zeit steht still. Was für ein Lebensgefühl.

 

Für Kim Noble steht die Zeit auch still. Sie befindet sich seit einem Jahr im Lockdown und darf ihren Beruf nicht ausüben.

 

"Wir waren die ersten, die sie zugemacht haben. Und wir werden die letzten sein, die sie aufmachen", bemerkt Kim frustriert während unseres Shootings. Sie arbeitet seit 14 Jahren erfolgreich als DJ, ist national bekannt und auf den großen Bühnen unseres Landes unterwegs.

 

"Ich mache das nicht des Geldes wegen. Ich mache es, weil ich dahinterstehe. Ich lebe für diesen Beruf! Es gibt für mich nichts anderes. Ich liebe das Unterwegssein in ganz Deutschland, das Abenteuer. Dieser Zauber bei den Veranstaltungen, wenn alle nach meiner Musik feiern - darin gehe ich komplett auf. Ich würde das für nichts auf der Welt aufgeben." 

 

Während sie über ihre Berufung spricht, blüht sie auf, ihre Augen strahlen. Ich kann richtig spüren, wie sie für ihre Musik brennt.

 

"Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, ist das auch kein Stress.

Ich habe mir ein Bein ausgerissen, um voranzukommen, zu wachsen und mich weiterzuentwickeln. Und dann der Lockdown. Da arbeitest du erfolgreich auf eine Karriere hin und dann wird dir von heute auf morgen jede Perspektive genommen. Wie stellst du um auf Nichts?

Zum Glück steht meine Familie hinter mir und gibt mir Halt. Und ich motiviere mich, indem ich kreativ werde. Sobald ich spiele, wenn auch nur privat, sind die Panikattacken weg. Das ist natürlich nicht ausreichend. Ich habe einen hohen Anspruch an mich und meine Arbeit. Jetzt habe ich Angst davor, bequem zu werden und einzurosten. Dieses Arbeitsverbot macht müde. Doch ich kann und will nichts anderes machen. Ich wäre so unglücklich in einem anderen Beruf."

 

KünstlerInnen wie Kim trifft der Lockdown besonders hart. Die Veranstaltungsbranche liegt komplett brach, bis auf ein paar kleine Events im letzten Jahr, und die Chancen auf einen "normalen" Sommer 2021 stehen schlecht.

 

"Im ersten Lockdown hatte ich Angst, dann kam zum Glück der Sommer. Der zweite Lockdown, da war ich psychisch weg. Da ist etwas in mir zerbrochen. Ich hatte Panikattacken und eine unglaubliche Existenzangst. Mittlerweile bin ich frustriert und sauer. Ich bin seit einem Jahr daheim und habe nur die November- und Dezember-Hilfen erhalten. Und sobald ich mal öffentlich einen Aufschrei mache, ist das ein rotes Tuch für viele Menschen. Sie denken, dass wir eh nur Party machen und uns deshalb nicht beschweren dürfen. Doch das stimmt nicht!

 

Ich brauche die Auftritte, das ist mein Leben. Und es fehlt jeden Tag so sehr. Ich habe es mit Live-Streams versucht. Aber ich finde, damit bieten wir uns unter Wert an. Ich verstehe den Wunsch, präsent bleiben zu wollen, aber ich möchte mich nicht permanent anbiedern. Manche betteln quasi darum, dass ihnen die Leute zuschauen. Ist das wirklich die Lösung für uns Künstler? Sollten wir nicht eher anders denken? Nach dem Motto "Wir machen jetzt gar nichts mehr!", damit uns die Menschen auch endlich vermissen.

 

Wir haben keine Lobby, wir sind Einzelkämpfer! Uns macht man das Leben, das Überleben, so schwer wie möglich. Deshalb wünsche ich mir mehr Gemeinschaftlichkeit. Ich wünsche mir, dass wir Künstler endlich gesehen und gehört werden.

 

Ich bin relevant.

Was ich tue, ist von Bedeutung.

 

Ich repräsentiere Freiheit, Lebensfreude und Feiern.
Ich stehe für ausgelassene Gefühle und Emotionen.

Ich rege zum Loslassen und Träumen an.

Ich bin die musikalische Stimme einer ganzen Generation.

Ich erschaffe, kreiere und bin kreativ.

Ich bringe Körper zum Bewegen und Herzen zum Höherschlagen.

Ich bin ein Stück Kulturgut.

 

Ich bin relevant."