Ellen Henfling, Inhaberin von Ellen Blumen(sehn)sucht

 

"Wir alle machen so tolle Dinge. Wir leben unsere Träume. Wir geben nicht auf. Wir machen es für das, was uns wichtig ist, und was wir lieben. Glaubt weiter daran! Wenn wir sonst gerade nichts anderes haben, wir müssen an unserem Traum festhalten!" Treffendere Worte hätte ich nicht finden können. Ellen Henfling, Inhaberin von "Ellen Blumen(sehn)sucht" hat so recht. Ich habe diese Worte von ihr bewusst an den Anfang ihrer Geschichte gestellt. Mein Herzensprojekt soll nicht nur auf die missliche Lage vieler wundervoller Persönlichkeiten hinweisen, sondern auch Mit machen und motivieren. Genau das tut Ellen, nicht nur im Gespräch mit mir.

 

Ellen ist Floristin. Sie ging mit 16 Jahren in die Lehre, hat dann in verschiedenen Läden gearbeitet und sich schließlich 2010 selbstständig gemacht.

 

"Floristin war das, was ich unbedingt machen wollte. Ich nehme an, ich wurde durch den Garten meiner Eltern inspiriert. Als Angestellte wurde mir schnell klar, dass ich meinen eigenen Ansprüchen nur als eigene Chefin gerecht werden kann. Also habe ich mich beraten lassen, Förderungen beantragt und meinen eigenen Laden aufgemacht. Ich liebe es, mein eigenes Ding machen zu können und selbstbestimmt zu arbeiten."

 

Auch wenn der Lockdown ein selbstbestimmtes Arbeiten in vielen Branchen so gut wie unmöglich macht.

 

"Als im März 2020 klar war, dass wir wahrscheinlich schließen müssen, habe ich intuitiv gehandelt und auf allen Kanälen darum gebeten: Leute, leert mir den Laden! Ich möchte die Blumen nicht wegschmeißen müssen. Am Ende des Tages waren ganz viele Stammkunden mit Freunden da, die mir alles abgekauft haben. Der Laden war so gut wie leer. Ich fand das so toll und rührend, ich habe erst mal heulen müssen. Dann meinte ich noch zu meiner Kollegin Katrin: Komm, zwei Wochen, das schaffen wir. Aber ich habe schnell realisiert, dass es wohl nicht nur zwei Wochen werden. Dann habe ich das Flattern gekriegt. So lange die Füße flach halten? Das kam für mich nicht in Frage. Das bin ich nicht. Da hätte ich eine Macke gekriegt. Also habe ich alle weiteren Bestände abfotografiert und online gestellt, in meinem Status geteilt und den Leuten mitgeteilt, dass wir ihnen die Bestellungen auch nach Hause liefern.

 

Als der zweite Lockdown kam, haben wir es wieder genauso gemacht. So hatten wir eine Beschäftigung und konnten auch präsent bleiben. Aber keine Rechnung konnte davon bezahlt werden. Das nicht. In den zweiten Lockdown bist du ja mit dem Wissen rein, dass du Schulden machen wirst. Es stand auch mehrmals das Wort Privatinsolvenz im Raum. Klar, wenn sich das alles nicht mehr lohnt, ich nur noch Sorgen mit mir herumschleppe und finanziell nur ab und an mal was zum Kühlschrank daheim beisteuern kann, dann ist die Selbstständigkeit nicht mehr mein Lebenselixier, aus dem ich Energie schöpfen kann. Doch mit dem Gedanken könnte ich mich nie anfreunden. Ich kann mir einfach keine andere Arbeit vorstellen. Nicht, weil ich nichts anderes kann. Weil ich nichts anderes können möchte.

 

Deshalb ist es schon hart, wenn man immer fleißig war, gut gewirtschaftet und immer auf alles geachtet hat und dann schiebst du auf einmal das bisschen Geld hin und her und weißt nicht mehr weiter. Das Päckchen, das du als Selbstständiger mit Berufsverbpt hast, wird immer größer. Und du hast keine Chance, mal abzuschalten und die Energie wieder aufzuladen. Wir mussten uns während des Lockdowns immer wieder neu kreieren. Das schlaucht psychisch und körperlich extrem. Doch so hat es zumindest funktioniert. Ich will aber nicht nur funktionieren, ich will auch kreativ sein. Ich sehe mich als Künstlerin, nicht als Floristin.

 

Ich frage Ellen, wie sie es trotz On-Off-Lockdown für ihre Branche schaff, so positiv, leidenschaftlich und energiegeladen zu wirken.

 

"Aufgeben ist für mich keine Option. Das Gefühl des Versagens ist nichts für mich. Dafür liebe ich auch viel zu sehr, was ich tue. Ich bin süchtig nach Blumen! Ich liebe meinen Laden, das ist mein zweites Zuhause. Ich liebe alles, was dazu gehört, Floristin zu sein. Den Einkauf, egal um welche Uhrzeit. Es beflügelt mich total, wenn ich meine Blümchen auf die Karre lege. Und dann die Blumen fertig zu machen, was das A und O ist, liebe ich. Dann kommen die kreativen Fantasien. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich das Endprodukt in der Hand habe. Eine Zeit lang habe ich sogar von Blumen und Kreationen geträumt." Sie lacht herzlich. Das Gespräch mit ihr ist motivierend. Trotz der aktuellen Situation findet sie die richtigen Worte, um zu inspirieren und Mut zu machen.

 

"Klar, es motiviert micht auch, meine Kundschaft glücklich zu machen und glücklich zu sehen. Der Kontakt zu meinen Stammkunden ist sehr innig und herzlich. Viele haben immer gefragt, wie es mir geht und haben uns so wahnsinnig unterstützt, auch mit tollem Trinkgeld. Das können wir gar nie wieder gutmachen. Das, was ich von meinen Kunden an Respekt und Unterstützung bekomme, möchte ich so gern auch anderen in der gleichen Lage zurückgeben. Deswegen unterstütze ich die heimische Wirtschaft selbst so gut ich kann. Das wünsche ich mir auch mehr von den anderen. Dass wir mehr aufeinander Acht geben, vor allem in Zeiten wie diesen.

 

Ich bin relevant.

Was ich tue, ist von Bedeutung.

 

Ich verbreite Freude und schenke ein Lächeln.

Ich mache das Leben schöner und die Welt bunter.

Ich stelle farbenfrohe Tröster und Begleiter für jede Lebenslage bereit.

 

Ich bin relevant."