Angelos Keramidas, Besitzer des Restaurants Artemis

 

"Wer hätte gedacht, dass das Tragen der Maske zu unserem Alltag wird?", beginnt Angelos Keramidas unser Gespräch. Ich nicke zustimmend. Ja, wer hätte das gedacht?

 

Angelos ist Besitzer des beliebten griechischen Restaurants Artemis in Halle. Seine Gäste kennen ihn als gut gelaunten, charmanten und temperamentvollen Gastgeber. Witzig, mit einem Lächeln auf den Lippen, immer zu einem netten Gespräch aufgelegt. Bei unserem Shooting ist er recht ernst.

 

"Während des ersten Lockdowns konnte ich viele Nächte lang nicht schlafen. Nun? Ich kann eh nichts mehr machen, nur noch abwarten. Ich habe alles getan, was möglich ist. Seit 1994 gibt es das Restaurant. So etwas wie das hier haben wir noch nie erlebt. Es ist ein unbeschreiblich komisches Gefühl, ein Lokal ohne Gäste. Wir Gastronomen leben und sterben mit den Menschen. Für die Menschen. Es ist alles mehr als gewöhnungsbedürftig."

 

Manche Branchen bluten langsam aus, andere profitieren von dem Lockdown. Eine traurige Tatsache. Die Sorge um die Zukunft seines Restaurants ist dabei ebenso groß wie die Sorge um die Einzelschicksale seiner Belegschaft.

 

"Die Treue der Belegschaft ist unbezahlbar. Dafür bin ich sehr dankbar. Jeder arbeitet für ein paar Stunden, auch wenn nicht viel dabei rumkommt. Nur vom Verkauf von Essen, das geliefert oder abgeholt wird, können wir nicht überleben. Aber wir halten den Laden wegen unseres Personals offen. Wir sind wie eine große Familie. Außerdem, so gute Leute finden wir so schnell nicht wieder. Wie sollten wir ohne sie weitermachen? Wenn es für uns überhaupt mal wieder weitergeht."

 

Ohne seine Belegschaft ist ein Weitermachen schwierig. Ohne die treue Kundschaft jedoch auch. Angelos ist besorgt, dass die Menschen eine Weile brauchen werden, wieder in der "Normalität" anzukommen, wann auch immer das sein wird.

 

"Die Menschen sind ganz anders, vor allem die Kinder, das merkt man. Die Leute sind einfach nicht mehr frei. Es gibt nichts Schlimmeres, als so eingesperrt zu sein. Überall herrscht eine innere Unruhe, die zu äußerer Unruhe werden könnte. Die Leute werden langsam aggressiv, habe ich das Gefühl. Ich kenne das aus Deutschland so überhaupt nicht. Dabei ist es in anderen Ländern noch schlimmer. Bei uns in Griechenland zum Beispiel. Dort darfst du nur ein paar Kilometer von deinem Haus weg und ziehst Nummern, wenn du in den Supermarkt möchtest."

 

Wie er sich trotzdem jeden Tag motiviert? Er gibt die Hoffnung auf Lockerung nicht auf. "Irgendwann wird alles wieder gut, ganz bestimmt. Und ich versuche, nicht alles zu ernst zu nehmen. Wenn du alles zu ernst nimmst, dann musst du in die Psychiatrie." Angelos lacht herzlich. In dem Moment ist er wieder ganz der Alte.

 

"Ich sage mir immer, wir sind gesund. Gesundheit ist unbezahlbar. Also genießen wir jeden Tag. Egal, wie. Und hoffentlich bald wieder in unserem vollen Restaurant, mit gut gelaunten Menschen.

 

Ich bin relevant.

Was ich tue, ist von Bedeutung.

 

Ich entführe in eine andere Kultur.

Ich sorge für besondere Geschmackserlebnisse.

Ich ermögliche gesellige Nachmittage und Abende.

Ich schaffe eine entspannte Atmosphäre zum Feiern und Verweilen.

Ich stehe für Lebensgefühl.

 

Ich bin relevant."