Sebastian Hübner, Sänger und Gitarrist der Band "Bienstich"

 

"Ohne Musik wär´ alles nichts." Wie recht Mozart mit dieser Aussage hatte, erleben wir seit mittlerweile einem Jahr. Gut, die Musik ist nicht tot - zum Glück. Doch die Live-Musik schon! Ohne sie ist eine große Lücke entstanden, auf der Bühne und in den Herzen. Diese kulturelle Trostlosigkeit macht müde. Nicht nur uns als Publikum, sondern vor allem die Menschen auf der Bühne, wie die Band "Bienstich". 

 

"Bienstich" sind Kult in Halle. Seit mittlerweile 11 Jahren sind die Jungs mit ihrer Musik unterwegs. In vier- bis fünfköpfiger Besetzung treten sie auf Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Firmen-Feiern auf: der Terminplan immer voll, die Saiten immer gut gestimmt.

 

"Und dann kam Corona! Unseren letzten öffentlichen Auftritt hatten wir am achten März 2020 im Millers. Da war die Stimmung schon anders, etwas lag in der Luft", erzählt mir Sänger und Gitarrist Basti während unseres Shootings. 

 

"Nun haben wir Absagen bis Juni 2021. Die Finger werden langsam starr. Die Stimme setzt Rost an. Selbst gemeinsame Proben sind aufgrund der Auflagen nicht möglich. Da bleibt nur das Trällern unter der Dusche." 

 

Basti und ich kennen uns schon sehr lange. Er ist ein lebensfroher, dynamischer und leidenschaftlicher Mensch, der andere schnell mit seiner guten Laune ansteckt. Doch bei unserem Gespräch wird sogar er ernst.

 

 

 

"Jeder kann das nachempfinden: Ohne Live-Musik fehlt einfach etwas. Sie ist wichtig für unsere Gesellschaft, denn sie gibt unglaublich viel. Sie befreit. Sie verzaubert. Dieser Zauber ist in unserer Leistungsgesellschaft dringend nötig. Doch auch uns Musikern fehlt etwas: echte Menschen. Konzerte vor Autos und Kameras funktionieren einfach nicht. Die Sehnsucht nach stimmungsvollen Abenden und einer tobenden Meute wächst immer mehr. Wir wollen runter vom Abstellgleis, zurück auf die Bühne, vor die Menschen. Live-Musik braucht das Publikum. Sie lebt von den Menschen, dem Moment, den Reaktionen. Sie muss raus, durch die Straßen schallen. Wir vermissen es so sehr, die Menschen zu begeistern und mitzureißen. Wir wollen das Publikum ausgelassen feiern sehen. Das erfüllt uns mit Leben. Auf der Bühne geben wir immer alles, um andere mit Energie anzustecken, ihnen einen tollen Abend zu bereiten und sie durch die Nacht zu begleiten. Jetzt fühlt es sich an, als wäre alles eingefroren. Der Lockdown ist wie ein Verbot für die Seele!"

 

Zwei Fragen beschäftigen Basti seit einiger Zeit: Wann geht es endlich weiter? Und wie wird das aussehen? "Spielen und singen wir dann hinter Plexiglas? Mit Mundschutz?" Wir müssen beide lachen. Seinen Humor hat er nicht verloren, das gibt Hoffnung.

 

"Es wird dauern, bis Menschen endlich wieder ausgelassen, losgelöst und ohne faden Beigeschmack tanzen können. Die Heilung wird dauern. Doch die Musik wird dabei helfen, dass die Menschen wieder loslassen können.

 

Wir sind relevant.

Was wir tun, ist von Bedeutung.

 

Wir sind Entspannung für die Seele.

Wir regen zum Träumen an.

Wir bieten einen Ausgleich zu den alltäglichen Herausforderungen.

Wir versüßen den Abend und die Nacht.

Wir begleiten viele Ja-Sager an ihrem großen Tag.

 

Wir sind relevant."